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Ukraine setzt auf patriotische Erziehung und mehr Jugendbeteiligung – Trilaterales Forum bietet Erfahrungsaustauch

Wie funktioniert Jugendarbeit in der Ukraine? Welche Ziele treiben junge Menschen um? Was bringt ihnen internationaler Jugendaustausch? Mit Fragen wie diesen befassten sich am Freitag, 19. Mai 2017, rund 100 Gäste aus Deutschland, Polen und der Ukraine während des trinationalen Forums „Jugend in der Ukraine“ zur Situation junger Menschen. Das Deutsch-Polnische Jugendwerk (DPJW) hatte junge Menschen, Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis sowie von staatlichen Stellen zum Erfahrungsaustausch ins Rote Rathaus in Berlin geladen.

Worauf setzt die offizielle Politik?

Wie die Jugendpolitik in der Ukraine aussieht und wie sie sich in den europäischen Kontext einordnen lässt, erläuterten der ukrainische Vizeminister für Jugend und Sport, Oleksandr Yarema, sowie Dr. Maksymilian Fras von der London School of Economics in ihren einführenden Vorträgen. Neben Jugendarbeits- und Wohnungspolitik und der Frage nach gesundem Leben steht die patriotische Erziehung im Mittelpunkt des ukrainischen Jugendprogramms für die Jahre 2016-2020. Aber auch Programme für junge Binnenflüchtlinge aus den ostukrainischen Kriegsgebieten oder der Ausbau der non-formalen Bildungsangebote sind in dem Programm verankert. Neue Ansätze hierbei sind z. B. die Partizipation junger Menschen und das zivilgesellschaftliche Engagement zu fördern. Es fehle aber noch an  Instrumenten für ein umfassendes Monitoring, um das Erreichen der Ziele zu überprüfen, kritisierte Fras. Außerdem forderte er eine Kampagne, um die Akzeptanz für zivilgesellschaftliches Engagement und Jugendarbeit in der ukrainischen Bevölkerung zu erhöhen. Bisher seien nur 2 % der jungen Menschen in der Ukraine in Jugendorganisationen aktiv, erläuterte Vizeminister Yarema. 21 % hätten bereits Angebote zivilgesellschaftlicher Organisationen genutzt.

Was bringt Jugendaustausch?

Was die Teilnahme an deutsch-polnisch-ukrainischen Jugendbegegnungen den jungen Menschen aus allen drei Ländern für ihre Persönlichkeitsentwicklung bringt, zeigte Verena Henkel anhand der Evaluation von 13 trilateralen Projekten aus dem Jahr 2016. Mehr als 440 Jugendliche aus allen drei Ländern wurden zu ihren Erfahrungen befragt. Für knapp 40 Prozent war es der erste Auslandsaufenthalt überhaupt und auch der erste Kontakt mit Jugendlichen aus den beteiligten Ländern. Besonders schätzten die Teilnehmenden, dass sie neue Freunde gefunden haben (über 80 %)  und dass sie neue Seiten an sich selbst kennenlernen konnten (über 60 %). 53 % gaben an, dass die Begegnung dazu beigetragen hat, die aktuelle politische und gesellschaftliche Lage in den beiden anderen Ländern besser zu verstehen.

Welchen Einfluss hat die politische Lage?

In drei Themengruppen diskutierten die Forumsgäste anschließend etwa über die Lebenswelten von Jugendlichen und den Einfluss der politischen Lage in der Ukraine auf ihr Leben. Eine zweite Runde befasse sich mit Formaten und Förderprogrammen für Jugendprojekte und die dritte Gruppe erörterte den Bedarf und vorhandene Angebote für junge Vertreter/-innen der ukrainischen Zivilgesellschaft zur Stärkung von persönlicher Weiterentwicklung und gesellschaftlicher Teilhabe.

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