Menü

Neue Schulreform in Polen

Zum 1. September 2017 trat in Polen eine umfassende Schulreform in Kraft. Dies kann unter Umständen Auswirkungen auf deutsch-polnische Schulpartnerschaften haben, deswegen möchte das DPJW Sie kurz über die wichtigsten Fakten informieren.

Worin besteht die Reform?

Bisher bestand das Schulsystem in Polen aus einer sechsjährigen Grundschule (szkoła podstawowa), einer dreijährigen Mittelschule (gimnazjum) und einer dreijährigen Oberschule mit Abitur (liceum),  einer vierjährigen Fachoberschule mit Abitur (technikum) oder einer dreijährigen Berufsschule (szkoła zawodowa) ohne Abitur.

Mit Beginn des Schuljahrs 2017/2018 wird der Übergang zu einem Schulsystem mit einer achtjährigen Grundschule (szkoła podstawowa) und einer vierjährigen Oberschule mit Abitur (liceum) oder einer fünfjährigen Fachoberschule (technikum) eingeleitet. Die nunmehr achtjährige Grundschule wird dabei in eine „Primarstufe” (Klasse I – IV) und eine „Sekundar I-Stufe” (Klasse V – VIII) unterteilt. Zudem wird statt der allgemeinen Berufsschule (zasadnicza szkoła zawodowa) nun eine zweiteilige branchenbezogene Berufsschule (szkoła branżowa) eingeführt. Diese führt nach drei Jahren zum Berufsschulabschluss und kann nach weiteren zwei Jahren ebenfalls zum Abitur führen.

Die Mittelschulen (gimnazjum) werden also aufgelöst – das heißt aber nicht, dass in Polen kein Abitur mehr möglich ist. Das polnische „gimnazjum” ist nicht identisch mit dem deutschen „Gymnasium”, sonders das deutsche „Gymnasium” entspricht dem polnischen „liceum”.

Wie geht diese Reform konkret vonstatten?

Die meisten Mittelschulen werden an bereits bestehende Grundschulen angegliedert oder in neu geschaffene Grundschulen umgewandelt. Eine kleinere Zahl von Mittelschulen wird an bereits bestehende Oberschulen angegliedert. Viele Mittelschulen haben auch bisher schon im Rahmen eines Schulverbunds (zespół szkół oder zespół szkół ogólnokształcących) funktioniert, hier sind die Änderungen eher interner Natur. Eine sehr geringe Zahl von Mittelschulen läuft bis zum Schuljahr 2019/2020 aus, das heißt, diese Schulen nehmen ab dem Schuljahr 2017/2018 keine neuen Schülerinnen und Schüler mehr auf, führen die bestehenden Klassen aber noch nach dem alten System zum Abschluss.

Die Schulreform wird nach einer vergleichsweise kurzen Planungs- und Vorbereitungszeit umgesetzt, daher sind viele neue Regelungen noch in der Planungsphase. Dies betrifft die Angliederung einzelner Mittelschulen, die Einrichtung neuer Schulbezirke oder die Weiterbeschäftigung von Lehrkräften. Auch werden mit den neuen Schulformen neue Rahmenlehrpläne für alle Schultypen und Schulstufen eingeführt.

Welche Auswirkungen hat das auf Schulpartnerschaften im deutschßpolnischen Austausch?

Für Schulpartnerschaften mit einer Grundschule, einer Oberschule oder mit einem bestehenden Schulverbund ändert sich nichts oder wenig. Betroffen sind vor allem Partnerschaften mit einer Mittelschule, da es hier zu einem institutionellen Wechsel des polnischen Partners von der Mittelschule zu einer Grundschule oder einer Oberschule kommt. Hinter einer auf den ersten Blick „neuen” Partnerschaft kann auch eine personelle Kontinuität bei den organisierenden Lehrkräften und Schulleitungen stehen. Trotzdem ist damit zu rechnen, dass manche Schulpartnerschaften aufgelöst oder die Begegnungen für ein oder zwei Jahre ausgesetzt werden.

Die deutschen Partner bitten wir ab kommenden Herbst vor allem um Verständnis und Flexibilität. Da im Moment noch nicht alle neuen Regelungen endgültig festgelegt sind, haben die polnischen Lehrkräfte und Schulleitungen momentan wenig Planungssicherheit für anstehende Austauschprojekte. Das kann dazu führen, dass in einer Übergangszeit geplante Projekte abgesagt werden und der reguläre Rhythmus von Hin- und Rückbegegnung innerhalb der Schul- bzw. Kalenderjahre unterbrochen wird.

Das DPJW bemüht sich darum, dass bestehende Schulpartnerschaften weitergeführt, also von der jeweils neuen Schule übernommen werden. Trotz aller Bemühungen ist jedoch damit zu rechnen, dass einige Schulpartnerschaften nicht weitergeführt werden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Warschauer Förderreferats unterstützen Schulen in Deutschland wie in Polen auf der Suche nach neuen Partnern und stehen auch darüber hinaus für Rückfragen zur Verfügung.

Seite drucken

PROJEKT-KALENDER