Was macht ein frischgebackener Hochschulabsolvent, wenn um ihn herum nur von Wirtschaftskrise die Rede ist und Arbeitgeber nur Mitarbeiter mit langjähriger Erfahrung suchen? Am besten ein Praktikum im Ausland, um dort neue Fähigkeiten zu erlernen, zum Beispiel als Multiplikator für internationale Jugendbegegnungen. Das Deutsch-Polnische Jugendwerk bietet diese Möglichkeit: Finanziert aus dem EU-Programm Leonardo da Vinci können polnische Hochschulabsolventen ein Stipendium für ein dreimonatiges Praktikum in einer deutschen Jugendbegegnungsstätte bekommen. Derzeit absolvieren sechs Polinnen ihre Praktika noch bis zum 31. Mai in sechs Einrichtungen in Deutschland, darunter das Jugendbildungszentrum Blossin (Brandenburg), der Verein Hoch Drei in Potsdam, die Kreisau-Initiative in Berlin oder das Ökologische Schullandheim Spohns Haus in Gersheim (Saarland).
Parallel bietet das Jugendwerk fünf Praktikumsplätze für deutsche Hochschulabsolventen in polnischen Begegnungsstätten an, z. B. in der Begegnungsstätte Angelus Silesius in Wrocław (Breslau), bei der Stiftung Kreisau, der Stiftung Borussia in Olsztyn (Allenstein) oder der Stiftung Nowy Staw in Lublin.
Das Praktikum richtet sich an Absolventen aller Studienrichtungen, die bereits erste Erfahrungen als Teamer oder Organisatoren deutsch-polnischer Jugendbegegnungen gesammelt haben. Bevor das DPJW die Stipendiaten für drei Monate zu ihren Praktikumsorten nach Deutschland schickt, bietet es ihnen ein Vorbereitungsseminar. Angeleitet und betreut werden die Stipendiaten während des Praktikums von einem erfahrenen pädagogischen Mitarbeiter vor Ort. Außerdem kümmert sich das Jugendwerk um die Versicherung sowie eine Unterkunft für die Dauer des Praktikums.
Was bringt den Berufseinsteigern der Auslandsaufenthalt? „Man erfährt, wie man in einem internationalen Team arbeitet und welche verschiedenen Methoden es in der Jugendarbeit in anderen Ländern gibt", berichtet die ehemalige Leonardo-Stipendiatin Małgorzata Kocela von ihren Praktikumserfahrungen in der Turmvilla Bad Muskau. „Die Arbeit in einer deutschen Jugendbildungsstätte war für mich eine besondere Erfahrung, weil es ein sehr internationales Umfeld gibt. Theoretisch betreut man deutsch-polnische Gruppen, aber es sind auch oft Teilnehmer aus Russland, der Türkei oder dem ehemaligen Jugoslawien mit dabei", fügt sie hinzu.
Die Praktika sind geeignet, die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Für einige der bisherigen Absolventen mündete das Praktikum direkt in einem Job oder einer weiteren Zusammenarbeit mit der deutschen oder polnischen Begegnungsstätte. Darüber hinaus verbessert sich die Zusammenarbeit zwischen den deutschen und polnischen Begegnungsstätten, in denen die Stipendiaten ihr Praktikum absolvieren bzw. mit denen sie vorher zusammen gearbeitet haben.
Das Jugendwerk bietet dieses Projekt zum dritten Mal an. Insgesamt haben bisher bereits 35 junge Deutsche und 38 Polen am Praktikumsprogramm im Nachbarland teilgenommen. Viele von ihnen haben auch nach Abschluss ihres Praktikums Projekte organisiert, die das DPJW gefördert hat. 2009 hat das Jugendwerk rund 3300 deutsch-polnische Jugendbegegnungen für ca. 124.000 junge Deutsche und Polen gefördert. Seit Gründung des DPJW 1991 haben bereits mehr als 2 Millionen Jugendliche aus beiden Ländern an den Projekten teilgenommen.
Deutsch-Polnisches Jugendwerk
Anke Papenbrock
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